Zukünftige Mobilität im ländlichen Raum

Am 5. Dezember 2024 war der RailCampus OWL Gastgeber der OWL Solutions-Veranstaltung „Zukünftige Mobilität im ländlichen Raum: IPNV-Angebote auf Straße und Schiene“. Im Fokus standen innovative Lösungsansätze zur Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und der Entwicklung bedarfsgerechter Verkehrssysteme für ländliche Regionen.

Die Vorträge und anschließende Diskussion fokussierten auf das MONOCAB-Projekt. Der MONOCAB-Technologieansatz bietet eine kostengünstige Möglichkeit,  Strecken im ländlichen Raum wiederzubeleben und gleichzeitig Mobilitätslücken zu schließen – ohne den Busverkehr zu gefährden. Es passt hervorragend zu den Zielen der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe (KVG), die eine flächendeckende und bedarfsgerechte Verkehrsbedienung im Kreis Lippe sicherstellen möchte.

Wir danken den Referenten – Dipl.-Ing. Achim Oberwöhrmeier, Geschäftsführer der KVG Lippe, und Thorsten Försterling, Ideengeber und Verantwortlicher für das Marketing des MONOCAB-Projekts – sowie allen Gästen für die interessanten Einblicke und die rege Diskussion. Es wurde ausführlich über diese zukunftsweisende IPNV-Lösung gesprochen, und die vielen wertvollen Beiträge zeigen, wie wichtig es ist, innovative Ideen für den ländlichen Raum weiter voranzutreiben.

„Das Netzwerk und den Standort weiterentwickeln und die Wahrnehmung nach außen stärken“

Thore Arendt leitet seit 1. November die Geschäftsstelle des RailCampus OWL in Minden. Der Osnabrücker hat sich seine Verdienste in der Bahnbranche vor allem bei der DVWG und der SGKV in Berlin erworben. Im Interview spricht er über seine Aufgaben am RailCampus OWL, seine Erwartungen an die Zusammenarbeit und die Entwicklungen im Mobilitätssektor.

Herr Arendt, Sie sind nun seit einigen Wochen am RailCampus tätig. Welche Aufgaben haben Sie sich hier in Minden vorgenommen?

Am 1. November habe ich die Geschäftsführung des Vereins übernommen. Jürgen Tuscher, der kürzlich und unerwartet von uns gegangen ist, hat hier hervorragende Aufbauarbeit in den letzten Jahren geleistet und die Idee des Innovationsnetzwerkes mit viel Leidenschaft vorangetrieben. Ich bin ihm sehr dankbar für die geschaffenen Strukturen und weiß, dass ich in große Fußstapfen trete, wenn ich seine Aufgaben übernehme.

Meine Aufgaben sehe ich insbesondere in der Weiterentwicklung des Netzwerkes und der Stärkung der Außenwahrnehmung. Schon jetzt werden einige hochinteressante Projekte durch die Hochschulen betreut. Die Ergebnisse einem größeren Publikum vorzustellen, zu diskutieren und weiterzuentwickeln wird ein wichtiger Schritt sein, um den RailCampus OWL e.V. als Nukleus für Innovationen im Schienensektor über die Region hinaus zu etablieren.

Gemeinsam mit dem Vorstand möchte ich die Möglichkeiten, den Verein als aktiven Initiator von Innovationsprozessen stärker zu positionieren, in den kommenden Monaten angehen. Die stärkere Außendarstellung und Ergebnisdokumentation von Angeboten des Vereins sowie Forschungsergebnissen – und dadurch natürlich auch die Gewinnung neuer Mitglieder und strategischer Partnerschaften – sind aus meiner Sicht wichtige Handlungsfelder.

Natürlich ist auch die Weiterentwicklung des Studienangebotes zur Gewinnung weiterer Studierender von zentraler Bedeutung. Der Studiengang „Digitale Bahnsysteme“ ist die ideale Klammer, um Unternehmen, Transportdienstleister und Hochschulen zu verbinden und das System Bahn neu gedacht weiterzuentwickeln.

Letztendlich wird auch die Weiterentwicklung des Standortes selbst, hin zu einer modernen, innovationsfördernden Struktur auf dem Gelände in Minden ein Kernthema sein. Ich glaube, das ist eine längerfristige Aufgabe, die noch einige gute Ideen und viel Energie benötigen wird, aber eine räumliche Vision des RailCampus als Innovationszentrum für die Schiene ist sicher ein guter Meilenstein für alle Mitglieder, um den Verkehrsträger Schiene weiter zukunftsfähig zu machen.

Welche Erwartungen haben Sie an den Verein?

Ich habe den Verein bisher einen als sehr agilen Treffpunkt wahrgenommen, auf dem Hochschulen, Studierende, wichtige Bereiche der Deutschen Bahn und zentrale Unternehmen des Bahnsektors neue Ideen in Projekten umsetzen und über ein großes Informationsangebot den Blick für wichtige Zukunftsthemen auf der Schiene schärfen. Ich wünsche mir, dass diese Energie und die Fähigkeit, sich auf einer gemeinsamen Ebene auszutauschen – abseits aller Hierarchien – die Triebfedern des Netzwerkes sind und durch die Geschäftsstelle noch gestärkt werden können. Ich glaube, nur in offenen, gleichberechtigten Systemen lassen sich innovative Lösungen und neue Ideen gemeinsam entwickeln.

Wie möchten Sie die Zusammenarbeit in der Geschäftsstelle und mit den Mitgliedern gestalten?

Dass der Austausch zwischen allen Akteuren des Vereins von gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft, die Ideen und gegenseitigen Bedürfnisse zu verstehen und zusammenzubringen geprägt sein muss, steht außer Frage. Mein Verständnis ist es, die Innovationsprozesse durch die Geschäftsstelle zu strukturieren und zu beleben, um ein Netzwerk zu schaffen, in dem Ideen offen kommuniziert werden können, auch abstrakte und unkonventionelle Ansätze. Wie gesagt, Innovation funktioniert am Ende immer nur gemeinsam. Und sie sollte vor allem nutzerzentriert sein, hier sehe ich eine wichtige Funktion der Geschäftsstelle, den Nutzer mit der jeweiligen Idee in Berührung zu bringen und seine Reaktion einzufangen.

Wie sehen Sie die Entwicklungen im Bahn- und Mobilitätssektor?

Der Bahn- und Mobilitätssektor ist leider in den letzten Jahren durch ausbleibende Instandsetzungen und notwendige Ausbaumaßnahmen unter Druck geraten. In der Öffentlichkeit ist daher die Wahrnehmung des Verkehrsträgers Schiene verbesserungswürdig. Viele positive Entwicklungen, ob im Personenverkehr, z.B. die Einrichtung digitaler Services oder die Einführung des ICE4, werden schnell übersehen. Gerade im Schienengüterverkehr entwickelt sich die Umschlagtechnologie immer weiter: ob leisere Kräne, Horizontalumschlagsysteme oder die Verfolgbarkeit von Ladeeinheiten – es geschieht sehr viel. Daher ist es wichtig, diese ganzen Aktivitäten, Neuerungen und Projekte zu bündeln und sie bekannt zu machen. Ich hoffe, dass die derzeitigen Maßnahmen zur Ertüchtigung der Infrastruktur in den kommenden Jahren die Wahrnehmung  des Gesamtsystems Bahn wieder verbessern, um auch die Innovationen und technische Entwicklungen wieder mehr in den öffentlichen Austausch zu bringen. Hier sehe ich auch die Rolle des RailCampus OWL: Ideen möglichst frei von politischen und interessengesteuerten Vorbehalten zu präsentieren um zu zeigen, was an Technik und Prozessen machbar ist – und welche Vorteile eine innovative Idee haben könnte.

Warum haben Sie sich für den RailCampus entschieden?

Besonders während meiner Zeit bei der Studiengesellschaft für den Kombinierten Verkehr (SGKV) habe ich mich intensiv mit dem Verkehrsträger Schiene und seinen Einsatz in logistischen Ketten auseinandergesetzt, an anderen Stellen stand das Management von Innovationsprozessen im Vordergrund. Ich finde die Idee, einen Verein als Plattform für verschiedene Player des Bahnsektors – seien es Zulieferer, Dienstleister, Verkehrsunternehmen oder Hochschulen und deren Studierende – auszurichten und hier innovative Ideen für die Entwicklung des Systems gezielt zu entwickeln und zu kommunizieren, ausgezeichnet.

Ich glaube, da es ist bereits sehr viel in Bewegung gesetzt worden und es gibt noch eine Menge Potenzial. Denn letztendlich ist der Verkehrsträger Schiene sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr unverzichtbar, besonders, wenn wir Verkehre nachhaltiger und effizienter gestalten wollen. Und der RailCampus OWL ist die ideale Struktur, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene mit guten Ideen auszubauen, denn die Mitglieder kommen aus verschiedenen Richtungen und können im Austausch sehr viel bewegen. Und genau auf diesen Austausch freue ich mich sehr.

Viel Verbindung auf Hot Topic Seminar in Annaberg-Buchholz

Das Drei-Säulen-Modell (Ökologie, Ökonomie und Soziales) der nachhaltigen Entwicklung stand im Mittelpunkt des Workshops „Nachhaltigkeit in zukünftigen Mobilitätssystemen“. Der Smart Rail Connectivity Campus (SRCC) hatte am 4. und 5. Dezember im Rahmen des DZM zum Hot Topic nach Annaberg-Buchholz eingeladen.

Die rund 60 Teilnehmer aus den vier DZM-Standorten Karlsruhe, Hamburg, Annaberg-Buchholz und Minden diskutierten in Kleingruppen Aspekte wie Beteiligte, Bedingungen und Bedürfnisse und wo die verschiedenen Bereiche innerhalb des Dreiecks in Konflikt stehen. Die Diskussionen setzten sich auch während des Abendprogramms fort.

Am nächsten Tag wurden die Gruppenergebnisse sowie die Ergebnisse der Online-Befragung zu den Interessen und Kompetenzen der DZM-Standorte vorgestellt und ausgewertet. Im anschließenden Matchmaking-Programm entstanden erste vielversprechende gemeinsame Projektideen.

Reibungslose Koexistenz autonomer und nicht-autonomer Lösungen zentrale Aufgabe im automatisierten Zugbetrieb 

Beim 16. Schienengespräch des RailCampus OWL am 29. November 2024 stand das Thema automatisiertes Fahren auf der Schiene im Mittelpunkt. Neben der Vorstellung von innovativen, automatisierten Lösungen aus der Forschung wurde die Frage, wann Züge autonom fahren werden, intensiv diskutiert.


Einige Experten waren der Auffassung, dass autonomes Fahren aus rein technischer Sicht schon jetzt möglich ist. Neben verschiedenen rechtlichen Hürden liegt die Herausforderung in der Integration autonomer Systeme in bestehende, menschengeführte Infrastrukturen. Der Fokus der Entwicklung liegt derzeit stark auf der technischen Seite, während die Gestaltung eines nahtlos funktionierenden, integrierten Gesamtsystems häufig zu kurz kommt.
Ein weiteres Thema war die Frage, ob wir an die Leistungsfähigkeit autonomer Systeme größere Anforderungen haben als an die heutigen, menschengeführten Prozesse – und hier vielleicht „zu viel“ erwarten.


Die reibungslose Koexistenz von autonomen und nicht-autonomen Lösungen im Gesamtsystem Bahn wird eine zentrale Aufgabe auf dem Weg zum automatisierten Zugbetrieb sein. Aber auch rechtliche Rahmenbedingungen gilt es weiter zu definieren, um die Erprobung und Weiterentwicklung autonomer Bahnsysteme voranzutreiben.  
Das Gespräch finden Sie hier:

Ein Audioguide für enableATO ist in der Mache

Im Projekt enableATO arbeiten die Projektteilnehmer an verschiedenen Formaten, um die breite Öffentlichkeit in die Forschungsarbeiten einzubinden. Ein Highlight wird ein Audioguide sein, der einen tieferen Einblick in die Arbeit am RailCampus OWL in Minden ermöglicht.

Den Auftakt bildete ein Interview mit Professor Dr. Stefan Witte, Vizepräsident der TH-OWL für Forschung und Transfer. Er betonte die persönliche und wissenschaftliche Relevanz des RailCampus OWL. Die finalen Ergebnisse, darunter der Audioguide, werden ab dem kommenden Frühjahr online verfügbar sein.

Mit Vorhaben wie dem Audioguide und Veranstaltungen wie der Railweek OWL wird der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gestärkt und das Verständnis für innovative Mobilität gefördert.

Thore Arendt übernimmt ab dem 1. November die Geschäftsführung des RailCampus OWL e.V.

„Der RailCampus OWL ist die ideale Struktur, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene mit guten Ideen auszubauen. Unsere Mitglieder kommen aus verschiedenen Bereichen und können im Austausch sehr viel bewegen. Und genau auf diesen Austausch freue ich mich sehr“, sagt Thore Arendt zu seinem Antritt als Geschäftsführer.

Schnittstellen zum Verkehrsträger Schiene hat der studierte Raumplaner vor allem während seiner Tätigkeiten für die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (DVWG) und als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Studiengesellschaft für den Kombinierten Verkehr (SGKV) ausgebaut.  Aus seiner Zeit bei der OWL GmbH sind ihm die Wirtschaftsregion OWL und die bestehenden Netzwerke sehr vertraut.

Wir freuen uns, mit Thore Arendt einen versierten Experten im Bereich der Mobilität für den RailCampus OWL gewonnen zu haben und heißen ihn herzlich willkommen.

RailCampus OWL sponsort A-Jugend GWD Minden

Wer sich die Zukunft vorstellen kann, kann sie auch gestalten. Und da die Zukunft der Jugend gehört, freuen wir uns, dass der RailCampus OWL in dieser Saison die A-Jugend von GWD Minden sponsort.

Die Dankerser Jungs sind jetzt in der Region und zu den Auswärtsspielen mit dem RailCampus-OWL-Logo unterwegs: egal ob auf den Trikots, im Stadion oder auf dem vereinseigenen Bulli, der RailCampus steht zu seinem Team!

Außerdem haben wir die Möglichkeit, einen RailCampus-Nachmittag zu organisieren und uns den jungen Spielern vorzustellen. Schauen Sie von Zeit zu Zeit auf unserem Instagram-Account vorbei. Dort erfahren Sie mehr über die Zusammenarbeit und den Fortschritt.

Eine Win-Win-Situation für beide Partner – Unterstützung für junge Talente im Sport und gleichzeitig eine hohe Reichweite bei unserer Zielgruppe des Studiengangs Digitale Bahnsysteme. Jetzt hoffen wir, dass die Jungs ihre Spiele auch auf dem Platz gewinnen. Unsere Unterstützung haben sie!

Jürgen Tuscher verstorben

Mit tiefem Bedauern und großer Trauer müssen wir Abschied nehmen von Jürgen Tuscher, der seit dem 15.10.2021 mit großem Herzblut und leidenschaftlichem Engagement den RailCampus OWL maßgeblich prägte.

Mit unermüdlicher Energie und Gestaltungswillen hat Jürgen Tuscher den Aufbau der Geschäftsstelle des RailCampus OWL sowie die Gründung des Vereins umgesetzt. Dank seiner Initiative entstanden vielfältige Veranstaltungsformate wie die monatlichen Schienengespräche, der InnoDay, das jährliche Symposium und die Railweek, die das Netzwerk und den Austausch innerhalb der Bahncommunity maßgeblich gefördert haben. Seine Begleitung der strategischen Entwicklung und seine Vernetzung im Bahnsektor der Region und darüber hinaus waren von unschätzbarem Wert.

Wir sind tief betroffen über den Verlust von Jürgen Tuscher und werden seine Begeisterung und seinen Einsatz für den RailCampus OWL stets in ehrender Erinnerung behalten.  Seine Expertise und Hingabe werden uns sehr fehlen.

Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten seiner Frau und seiner Familie.

Herzliches Willkommen für die neuen Studierenden auf dem RailCampus in Minden

Der erste Tag in einer neuen Umgebung ist immer aufregend. So auch für die Erstsemester des Bachelorstudiengangs Digitale Bahnsysteme am RailCampus in Minden. Die Campusmanager Judith Amelung und Hüseyin Demir hatten die neuen Studierenden, die zum Wintersemester 2024/2025 am 7. Oktober starten werden, am 1. Oktober auf den RailCampus eingeladen.

Sie erhielten alle Informationen, die sie für den Start ihres Studiums benötigen: Zugang zum Campus und zu den Gebäuden, Stundenplan, Sicherheitseinweisung. Darüber hinaus können die Studierenden an den Freizeitveranstaltungen zum Studienstart auf dem Campus Minden teilnehmen und die anderen Studierenden und die Stadt Minden besser kennenlernen.

Prof. Rolf Naumann begrüßte die Studierenden im Namen der HSBI und stellte den RailCampus OWL e.V. vor. Dass das Studium praxisnah ist, wurde deutlich, als der Informationstag mit einer kleinen Führung über das Gelände verbunden wurde. Der RailCampus befindet sich auf dem Gelände der DB Systemtechnik und hat somit direkten Zugang zum System Bahn, was Praxisnähe in allen Bereichen garantiert.