Rund 120 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Industrie und Infrastruktur folgten der Einladung des RailCampus OWL zur RailConnect 2026. Ziel der Veranstaltung war es, Innovations- und Digitalisierungsbedarfe im Bahnsektor zu identifizieren und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Ganz nach dem Leitgedanken der Veranstaltung: Gemeinsam lösen.
Impulse für die Digitalisierung der Schiene
Den Auftakt bildeten vier Impulsvorträge, die den Blick auf die Digitalisierung der Schiene aus unterschiedlichen Perspektiven richteten. Dr.-Ing. Hiie-Mai Unger, CEO der DB Systemtechnik GmbH, stellte die Innovationsstrategie der DB Systemtechnik vor und zeigte auf, welche technologischen Entwicklungen künftig den Bahnbetrieb prägen werden. Pierre Becker und Jens Rohleder von der eurobahn präsentierten den Einsatz von Open-Source-Technologien im KRITIS-Umfeld und warben dafür, gemeinsame Softwarelösungen für die Branche zu entwickeln. Davide Amelia vom Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) machte deutlich, dass Cybersecurity eine der zentralen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung des Schienenverkehrs ist. Henrik Wilkening von der Teutoburger Wald Eisenbahn zeigte schließlich die Herausforderungen und Potenziale bei Infrastruktur, Reaktivierung und der Modernisierung des Bestands auf.
Gemeinsame Herausforderungen, gemeinsame Lösungen
Im anschließenden Panel sowie in den vier Fachworkshops zu den Themen autonomes und automatisches Fahren, Kommunikation und Informationsmanagement, Instandhaltung sowie Komfortsysteme wurde schnell deutlich: Die Herausforderungen unterscheiden sich zwischen großen und kleinen Eisenbahnverkehrsunternehmen oftmals weniger als erwartet. Gemeinsam wurden die unterschiedlichen Perspektiven diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet. Alle Akteure stehen vor der Aufgabe, den bestehenden Fahrzeug- und Infrastrukturbestand zu modernisieren und gleichzeitig die Digitalisierung des Systems Bahn voranzutreiben. Dadurch entstehen Zielkonflikte bei Prioritäten und Investitionen.
Ein wesentliches Ergebnis der Veranstaltung war daher, dass Innovation nicht immer in großen Technologiesprüngen liegen muss. Vielmehr braucht die Branche konkrete, praxistaugliche Lösungen mit kurzfristig sichtbarem Nutzen. Gerade kleinere, schnell umsetzbare Innovationen können einen erheblichen Beitrag zur Digitalisierung leisten.
Daten und Open Source als Schlüssel zum Fortschritt
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Umgang mit Daten. In den Workshops wurden verschiedene Ansätze diskutiert, wie Daten künftig effizienter zwischen Eisenbahnunternehmen, Infrastrukturbetreibern, Herstellern und Forschungseinrichtungen ausgetauscht und genutzt werden können. Ebenso wurde deutlich, dass gemeinsame Open-Source-Lösungen – wie sie von der eurobahn vorgestellt wurden – ein vielversprechender Ansatz sein können, um Innovationen schneller und wirtschaftlicher in die Branche zu bringen.
Ein weiterer Konsens der Teilnehmenden: Forschungseinrichtungen müssen ihre Kompetenzen künftig noch stärker bündeln. Standorte wie der RailCampus OWL und der Smart Rail Connectivity Campus (SRCC) in Annaberg-Buchholz verfügen über unterschiedliche fachliche Schwerpunkte, die sich hervorragend ergänzen. Durch eine engere Vernetzung können Synergien geschaffen und gemeinsam Lösungen entwickelt werden, die den gesamten Bahnsektor voranbringen.
Fazit: Digitalisierung gelingt nur gemeinsam
Die RailConnect 2026 hat damit eindrucksvoll gezeigt, dass die Digitalisierung der Schiene nur gemeinsam gelingen kann. Wissenschaft, Industrie, Eisenbahnverkehrsunternehmen und Infrastrukturbetreiber stehen vor gemeinsamen Herausforderungen – und verfügen gemeinsam über das Know-how, diese zu lösen. Genau diesen Austausch weiter zu fördern und daraus konkrete Forschungs- und Innovationsprojekte entstehen zu lassen, bleibt das Ziel des RailCampus OWL.





