Die Testtage des Forschungsprojekts enableATO, die in der vergangenen Woche im Testfeld Extertal stattfanden, markierten einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt für den automatisierten Schienenverkehr. Das kreiselstabilisierte Einschienenfahrzeug MONOCAB absolvierte erstmals autonome Fahrten mit Personentransport unter realen Bedingungen. Zudem bewies das Fahrzeug, dass es Hindernisse zuverlässig erkennen, seine Geschwindigkeit eigenständig anpassen und bei Bedarf sicher zum Stillstand kommen konnte. Das geplante Testprogramm wurde vollständig erfolgreich durchgeführt.
Ziel der Testtage war es, den aktuellen Entwicklungsstand der Automatisierungsfunktionen unter realen Bedingungen zu erproben und Projektpartnern, Fachleuten sowie Medienvertreter zu präsentieren. Nach kleineren technischen Anpassungen zu Beginn der Erprobung verliefen die Testfahrten stabil. Auf einer rund 50 Meter langen Teststrecke folgte das MONOCAB selbstständig einer vorgegebenen Route und übertrug parallel komprimierte Kamerabilder per WLAN an ein externes Leit- und Kontrollzentrum. Die eingesetzte Datenverbindung diente dabei als Vorbereitung für die künftig vorgesehene Kommunikation über 5G.
Sensorfusion ermöglicht zuverlässige Hinderniserkennung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der präzisen Fahrzeuglokalisierung. Hierfür führte das Projektteam Informationen aus Satellitennavigation (GNSS), Trägheitssensorik (IMU) und Radsensoren zusammen und erstellte daraus eine hochgenaue digitale Streckenkarte. Parallel dazu wurde die Umfeldwahrnehmung umfassend getestet. Mithilfe einer Kombination aus Kamera- und LiDAR-Sensorik sowie KI-gestützten Verfahren erkannte das System Personen und weitere Hindernisse auf dem Gleis zuverlässig. Ergänzende Verfahren zur Gleissegmentierung und Tiefenschätzung verbesserten die Erfassung der Umgebung zusätzlich. Auf Basis dieser Informationen passte das MONOCAB seine Geschwindigkeit automatisch an und stoppte bei Bedarf selbstständig vor statischen und dynamischen Hindernissen.
Auch im Fahrzeuginnenraum wurden wichtige Funktionen erfolgreich erprobt. Eine Superweitwinkelkamera erkannte stehende und sitzende Fahrgäste sowie Ein- und Ausstiegsvorgänge. Das MONOCAB hielt selbstständig an definierten Haltepunkten, registrierte den Fahrgastwechsel und setzte seine Fahrt anschließend eigenständig fort.
Darüber hinaus bestätigten die Testreihen, dass sich synthetisch erzeugte Trainingsdaten erfolgreich auf reale Einsatzbedingungen übertragen ließen. Ergänzend erfasste das Projektteam umfangreiche Messdaten zu Fahrwerkschwingungen sowie unterschiedlichen Ein- und Ausstiegssituationen. Diese Erkenntnisse werden in die weitere Entwicklung der Automatisierungsfunktionen einfließen.
Testtage zeigen Potenzial des automatisierten Schienenverkehrs
Neben den technischen Erprobungen boten die Testtage Projektpartnern sowie Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Medien und regionalen Netzwerken die Gelegenheit, sich vor Ort über den aktuellen Entwicklungsstand des Forschungsprojekts zu informieren. Das große Interesse verdeutlichte die wachsende Aufmerksamkeit für das MONOCAB und das Forschungsvorhaben enableATO. Das Konzept eines automatisierten, bedarfsorientierten Schienenverkehrs auf bestehender Infrastruktur gewinnt national wie international zunehmend an Bedeutung.
Testbetriebsleiter Hanno Meyer zu Theenhausen dankte allen Beteiligten für ihren engagierten Einsatz bei der Vorbereitung und Durchführung der Testtage. Die erfolgreiche Zusammenarbeit aller Projektpartner trug maßgeblich zum Gelingen der Erprobungen bei.
Mit den erfolgreichen Testtagen wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Entwicklung des automatisierten Schienenverkehrs erreicht. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nun unmittelbar in die Weiterentwicklung der Automatisierungsfunktionen des MONOCAB ein und bilden die Grundlage für die nächsten Test- und Demonstrationsphasen.